Interview: Monika Müller

Personal Trainerin und Heilpraktikerin
Wenn Fitness und Sport auf Naturheilkunde trifft.

Frau Müller, Sie sind ausgebildete Heilpraktikerin und Personal Trainerin. Was bieten Sie Gesundheits-Interessierten an?

Ich verbinde Personal Training sowie präventive und rehabilitative Bewegung und Entspannung mit naturheilkundlicher Diagnose und Therapie. Als Personal Trainerin begleite ich schon seit Jahren meine Kunden auf dem Weg zu deren sportlichen Zielen. Doch der Sport ist nicht alles - Ernährung, Gesundheit und Krankheit gehören zur ganzheitlichen Betrachtung eines Trainings. Dies kann ich als Heilpraktikerin diagnostizieren und therapieren. Diese gesamtheitliche Betrachtung kommt meinen Kunden bei verschiedenen Zielen und Beschwerden zugute.

So sind z.B. bei der Gewichtsreduktion nicht nur Kalorienzufuhr und -verbrennung durch Sport und Ernährung alleinige Faktoren, sondern auch Darmflora, Mineralhaushalt und Hormonstatus, welche durch naturheilkundliche Diagnose und Therapie optimiert werden können. Derartige Betrachtungszusammenhänge sind im Leistungssport seit Jahren essentiell: Zur Leistungssteigerung der körperlichen und geistigen Fitness werden alternative Behandlungsmethoden angewandt. Denn im Sport darf kaum medikamentös behandelt werden – fast alle Medikamente fallen unter das Dopinggesetz. Krankheiten und Verletzungen müssen auf anderem Wege effizient behandelt werden, z.B. durch Akupunktur, Phytotherapie (Therapeutische Anwendung von pflanzlichen Arzneimitteln), Neuraltherapie und Beachtung des Säure-Basen-Haushalts sowie weiteren Therapieverfahren (z.B. Reizstrom, Tapen, Wärme-Kälte-Anwendungen) und Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Mentales Training).

Die Balance zwischen Belastung und Erholung sowie das Zusammenspiel von Psyche und Physis sind im Sport unumstritten. Aus den eigenen Erfahrungen als Olympiateilnehmerin 1992 in Barcelona und mehrfache Deutsche Meisterin im Synchronschwimmen sowie aufgrund der Wünsche meiner Kunden wurde mir klar, dass Medikamente selten die medizinische Antwort auf Beschwerden sein müssen und sollten – nicht nur für Leistungssportler, sondern für jeden Menschen. Da, wo es geht, ist die Naturheilkunde für mich eine Alternative zur Schulmedizin im Sinne einer nebenswirkungsfreieren, sog. „sanften“ Medizin. Natürlich gibt es Grenzen der Naturheilkunde, so dass die Schulmedizin bzw. lebensrettende Medikamente durchaus ihre Berechtigung haben.

Neben dem Weg vom Sport zur Naturheilkunde ist aber auch der andere Ansatz für mein Angebot relevant: Bewegungs- und Entspannungsformen aus der Sportbranche können die Therapie der Naturheilkunde ergänzen, da sich der Körper an Belastung und Entspannung positiv anpassen kann, was sich wiederum in mehrfacher Hinsicht positiv auf die Psyche auswirkt (Stressabbau, Stärkung des Immunsystems, positive Effekte beim Training draußen: Lichttherapie, Stimmungsverbesserung durch Naturerlebnis usw.). Durch Entspannung wird über die Verbindungsstelle von bewusstem und unbewusstem Nervensystem Einfluss auf körperliche und psychische Verfassung genommen. Beide Branchen an sich – Sport und Naturheilkunde – wissen theoretisch um die Zusammenhänge, können jedoch praktisch nur ihr Fachgebiet bedienen. Zum Beispiel können Rückenschmerzen ursächlich mechanisch, aber auch organisch oder psychisch bedingt sein. Die „Sportler“ fokussieren sich auf das mechanisch-orthopädische, die Heilpraktiker auf das organisch-psychische.

Ich möchte meinen Kunden aus beiden Branchen also mehr bieten können:

  1. Von sportlichen Beschwerden zur Ursachenfindung durch naturmedizinische Diagnose und anschließender Therapie (Naturheilkunde ergänzt Sport)
  2. Von physischen und psychischen Beschwerden hin zum geeigneten Sport und geeigneter Ernährung (Sport ergänzt Naturheilkunde)

Meine Dienstleistungen beschränken sich nicht nur auf einen Beruf aus „Sport“ oder „Heilkunde“ und somit nicht nur auf einen Abschnitt eines Behandlungsprozesses, sondern decken den gesamten Prozess – also alle Teilbereiche von medizinischer und sportwissenschaftlicher Diagnostik über Therapie und Training zur Rehabilitation und Prävention ab: Ein Kunde mit Beschwerden kann nach der Diagnose von mir therapiert und rehabilitiert werden in Kombination mit Training. Und ich zeige ihm präventives Verhalten hinsichtlich Bewegung, Entspannung, Ernährung und alternativen Methoden auf. Auch für präventive Ziele und „gute Vorsätze“ wie „Fitter werden“ erfolgt eine Diagnose mit anschließender Therapie in Kombination mit Personal Training. Ich begleite meine Kunden ganzheitlich (Körper, Geist und Seele) und individuell mit verschiedenen Verfahren und Methoden über den gesamten Prozess von der Zielformulierung bis zur Zielerreichung – auch wieder über Diagnose, Therapie und Training. Ich biete „alles aus einer Hand“: Diagnose & Therapie – Sport & Heilkunde

Selbstverständlich werde ich auch nur als Heilpraktikerin bzw. nur als Personal Trainerin angefragt. Ich möchte die jeweils individuellen Zusammenhänge des Körpers und Wirkungen auf diesen durch Sport, Medizin und Naturheilkunde verstehen können. Um im Sport ein Ziel erreichen zu können, wird der Status quo regelmäßig über Tests und Daten messbar gemacht – um auch zu eruieren, wie wirkungsvoll welche Trainingsmethode war. Entsprechend verstehe ich die Naturheilkunde als Möglichkeit, ein gesundheitliches Ziel zu erreichen und verwende hierzu die Daten aus Labor, Diagnose, Anamnese und Rückmeldung des Kunden und nehme diese individuellen Werte als Basis für eine Veränderungsdarstellung und für das weitere therapeutische Vorgehen. Ich denke, dass diese Mischung eine sehr gute Basis ist, um im Rahmen meines Wissens den Menschen helfen zu können und zugleich meine fachlichen und menschlichen Grenzen kenne, um nicht aus falschem Stolz heraus meine Kunden in Gefahr zu bringen.
Ich habe selbst körperliche Grenzen überwunden und kann daher abschätzen, wie es um die körperlichen Grenzen meiner Kunden steht. Nicht nur im Sport ist es wichtig, die Ursache von Schmerz, Krankheit und Verletzung zu beheben, um auf Dauer beschwerdefrei Sport betreiben zu können. Ich bin gegen ein alleiniges Behandeln der Symptome mit Betäubungs- und Schmerzmittel. Der Patient gibt häufig die Verantwortung seines Schmerzens an den Arzt bzw. Therapeuten ab und ist zufrieden, wenn der Schmerz „weggespritzt oder -geschluckt“ werden kann. Die Schmerzursache ist für ihn zweitrangig. Doch was bringt es, die Symptome zu bekämpfen, wenn die Ursache nicht erkannt und behoben wird?

Auch ist mir sehr wichtig, dass der Kunde seinen Teil zur Therapie beiträgt im Sinne von Verantwortungsübernahme bzgl. Verhaltensänderungen und Einhalten von z.B. Übungen.
Ohne seine Bereitschaft, sich mit sich auseinanderzusetzen und etwas zu ändern, kann ich nur „Tipps“ geben, welche verpuffen.

Könnten Sie einen Ihrer besonderen Arbeitsschwerpunkte einmal etwas genauer beschreiben?

Mit der Irisdiagnose – einem Blick ins Auge unter dem Mikroskop - erhalte ich Hinweise auf den 2. Fingerabdruck meines Patienten. Die individuellen, also vererbten und erworbenen
organischen Stärken und Schwächen drücken sich durch verschiedene Formen und Farben auf bestimmten Regionen der Iris ab. So ist eine oranger Fleck z.B. ein Hinweis auf die Bauchspeicheldrüse.
Laborwerte aus Speichel, Blut und Stuhl ergänzen die Anamnese. Mit der „Darmtherapie“ versuche ich die Darmflora, Schleimhaut und weitere Schäden am Darm wieder zu regulieren. Etwas überspitzt formuliert: Die Gesundheit sitzt sozusagen im Darm. Sind Darmflora sowie Schleimhaut aus dem Gleichgewicht gebracht können sich krankmachende Bakterien besser ausbreiten und der Körper ist ständig latent entzündet mit Schäden an den Darmzellen. Der Darm als unser zweites Gehirn reagiert bei Fehlernährung, Antibiotikagabe, Umweltfaktoren, Stress und Ärger oft mit krankmachenden Folgen wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen – aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, depressive Verstimmungen und sogar ein Übergewicht können Folge eines kranken Darms sein.

Was genau bewirkt diese Methode?

Durch eine einfache Stuhluntersuchung kann die Darmflora im Labor bestimmt werden. Fehlende Bakterienstämme können als spezielle Probiotika-Nahrung wieder dem Darm zugeführt werden. Ergänzend können fehlende Vitamine, Mineralien und Hormone gegeben werden. Ebenso wird die Schleimhaut wird mit Ernährungs- und Lebensumstellung wieder aufgebaut. Die leaky guts in den tight junctions, also Löcher in den sonst miteinander verbundenen Darmzellen können wieder repariert werden, damit die Darmzellen wie eine Schutzbarriere verhindern, dass bestimmte Stoffe direkt ins Blut gelangen. Die Entzündung durch ständigen Reiz kann nachlassen.

Welche Klienten können sich an Sie wenden?

Zu mir als Heilpraktikerin kommen Menschen mit allen möglichen Beschwerden – im Rahmen meines Berufes. Insbesondere sind es Beschwerden an Rücken und weiteren Gelenken, unerklärliche Schmerzen im Bauch, an Kopf, Gelenken, Muskeln und Faszien - Allergien sowie Verdauungsprobleme und zunehmend Menschen mit unerklärlichen Leistungseinknicken, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen und burn-out. Viele sind in der Schulmedizin mit Hinweis auf die Psyche „austherapiert“.
Und Menschen, welche präventiv aktiv werden wollen hinsichtlich geistiger und körperlicher Leistungssteigerung in Arbeit und im Sport, Stärkung des Immunsystems Vermeidung von Schmerzen.

Welches konkrete Angebot empfehlen Sie ganz aktuell?

Faszientraining – in Einzeltherapie oder als Kurs. Faszien sind mehr als nur ein Bindegewebe. Faszien besitzen Nerven und Muskeln und ziehen sich bei Stress zusammen und verursachen Schmerzen – vor allem im Lendenwirbelsäulenbereich. Durch gezieltes Dehnen, Kräftigen und Kneten der Faszien werden diese stimuliert und umprogrammiert, um belastungsfähiger und schmerzunempfindlicher zu werden.

Welchen kleinen Tipp oder welche Übung können Sie uns geben, den wir sofort umsetzen können?

Raus an die frische Luft und sich bewegen – am besten einmal am Tag ins wohlige „Schwitzen und Schnaufen“ kommen. Alles in Maßen – nichts übertreiben – nichts unterlassen. Energie abladen durch Kickboxing: 100x mit einer leichten Faust die Arme boxen, dabei mit den Beinen abwechselnd kicken - nicht hoch, vielmehr den Körper in die Gegenrichtung neigen, damit das Gleichgewicht trainiert wird: 25x Beinkicks nach vorne, 25x zur Seite, 25x nach hinten und wieder 25x zur Seite. Dabei kräftig ein- und vor allem ausatmen. Fittere Menschen können mit den Kicks auch springen.

Was tun Sie selbst, um sich fit und gesund zu halten?

Aktuell gebe ich Kurse in Piloxing (Pilates und Boxen), Zumba, Rücken- und Faszientraining, Laufen und Schwimmen. Gerne bin ich ganzjährig draußen, um an der frischen Luft die körpereigene Vitamin D-Produktion über das Sonnenlicht auf der Haut anzukurbeln. Vitamin D ist übrigens ein Hormon, welches bei Mangel Ursache für zahlreiche Krankheiten sein kann.
Zugleich ist mir als Gegenpart zur beruflichen Belastung die Entspannung wichtig, um mich schnell zu regenerieren und Überlastungsschäden durch zu viel Sport zu vermeiden: ein heißes Bad, Physiotherapie, powernap, Fasziendehnung, Kinesiotape, Reizstrom.

Wie motivieren Sie sich?

Ich fühle mich zum Glück nicht wohl, wenn ich nicht einmal am Tag ins Schwitzen und Schnaufen komme und mein Puls angeregt wird. Die ersten zehn Minuten sind für mich oft mental anstrengend. Ich fühle mich nicht fit in dieser Aufwärmphase. Von Spaß an der Bewegung oft keine Spur. Bis man mal drin ist im Training versuche ich den Kopf auszuschalten und einfach zu machen. Während dem Training motivieren mich Musik und tolle Teilnehmer bzw. Kunden. Ich bin sehr gerne müde vom Training. Und ich fühle mich verantwortlich für den Umgang mit meinem Körper. Ich trainiere gerne nebenbei – Zeit ist auch bei mir im Alltag knapp – mal hier fünf
Minuten Hanteln stemmen in der Wohnung, mal dort 100 Kniebeugen während der Tee zieht.
Wenn ich mal nicht trainieren kann, z.B. wegen Schmerzen in den Beinen, trainiere ich das, was geht: also Arme und Bauch. Verletzungen und Krankheiten gehören dazu – es kommen erfahrungsgemäß immer wieder bessere Tage. Ein Auf und Ab eben...

Welche „Schwächen“ erlauben Sie sich selbst?

Ich verzichte nicht mehr gerne „absolut“ auf etwas wie früher als Leistungssportlerin. Ich möchte das Leben auch genießen - mit Kaffee und Schokolade.

Welchen Beitrag leisten Sie zum Umweltschutz oder sozialem Engagement?

Ja, obwohl ich mich in Bezug auf Umweltschutz widersprüchlich verhalte (ich vermeide das Autofahren aus Bequemlichkeit und besitze zugleich einen umweltverschmutzenden Oldtimer) versuche ich dennoch nicht aus Bequemlichkeit zu sagen: „Das hilft doch eh nichts!“ Wohlwissend, dass das Leben mittlerweile generell umweltschädigend ist, sind dies einige meiner Beiträge zum Umweltschutz: Plastiktüten und generell Verpackungen beim Einkaufen vermeiden, regional und erzeugernah einkaufen (Streuobstwiese, Eier beim Bauern), Kräuter und Tees aus dem Garten, mit Holz heizen. Die Stadt Braunschweig hat hierzu übrigens tolle Projekte - Stichwort „Unser sauberes Braunschweig“. Sozial engagiere ich mich im Ausland ein Projekt meines ehemaligen Kollegen Martin Riester bei seinem Hilfsprojekt auf den Philippinen: www.mariphil.de

Welches Motto haben Sie für den Alltag?

„Morgen ist auch noch ein Tag“ und „Atmen nicht vergessen“

Frau Müller, vielen Dank für das Gespräch.


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Fotos: istockphoto.com